Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ – Mahatma Gandhi
Auch wenn wir in einer Beziehung sind, können wir uns einsam fühlen, weil wir uns unverstanden und ungesehen fühlen. Viele glauben, dass eine Beziehung nur besser werden kann, wenn beide mitmachen. Doch das stimmt nicht. Veränderung beginnt oft bei einer einzigen Person: dir selbst.
Ich war lange Zeit unglücklich in meiner Beziehung und fühlte mich trotz Partner sehr einsam. Nach einigen Jahren in der Beziehung und gleichzeitiger weiterer Belastungen lagen die Nerven bei uns beiden blank. Wir stritten viel, jeder wollte etwas anderes und jeder versuchte seinen Kopf durchzusetzen – mal mehr und mal weniger offensichtlich. Wir waren wir an einem Punkt, an dem wir feststellten, dass wir beiden im Leben in diametral entgegengesetzte Richtungen gehen wollten. Ich hatte schon vieles über Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungsarbeit gelernt und hatte klare Vorstellungen davon, was anders zu laufen hat. Ich dachte immer wieder: Wenn doch auch er mal was für die Beziehung tun würde… Wenn er doch auch mal an sich arbeiten würde…
Der andere ist Schuld… oder doch nicht?
Stell dir vor, du tanzt mit jemandem und es macht überhaupt keine Freude. Dein Partner ist tollpatschig, hat kein Rhythmusgefühl und tritt dir ständig auf die Füße, und du denkst: Wenn er/sie doch nur anders tanzen würde, wäre alles gut! Ich habe es ihm schon hundertmal erklärt, ihm mühsam immer wieder die Schritte gezeigt, aber er/sie hat wohl entweder überhaupt kein Talent oder gibt sich überhaupt keine Mühe. Aber was wäre, wenn du selbst den Schritt änderst – und dein Partner automatisch darauf reagieren muss?
Warum wir uns machtlos fühlen
In Konflikten denken wir oft: Ich kann nichts tun, weil der andere … (gemein, unsensibel, uneinsichtig,…) ist. Diese Haltung gibt uns zwar kurzfristig das Gefühl, im Recht zu sein, aber langfristig macht sie uns handlungsunfähig und zum Spielball unserer Umstände.
Und warum das ein Irrtum ist
Beziehungen sind keine statischen Gebilde, sondern Systeme. Sie streben nach einem Gleichgewicht und wenn sich das eingespielt hat, bleibt es so. Um es zu verändern, muss man dann erst einmal ein wenig Energie aufbringen. Aber es lohnt sich. Denn wenn ein Teil sich verändert, ist das gesamte System gezwungen sich zu ändern. Es geht gar nicht anders.
Eingespielte Muster
Eingespielten Muster sind die Dinge, die sich immer wieder abspielen: Einer kritisiert – der andere zieht sich zurück; eine Person ist emotional distanziert und braucht scheinbar nichts und niemanden – die andere ist bedürftig und klammert; ein Partner übernimmt immer die Verantwortung – der andere verlässt sich darauf. Diese Muster wiederholen sich, weil beide sich daran gewöhnt haben und unbewusst dazu beitragen, dass es so bleibt. Welche eingespielten Muster erkennst du bei dir? Was erlebst du immer wieder? Und wie fühlst du dich in der Beziehung? Es spielt dabei keine Rolle, ob es um eine Partnerschaft oder eine Arbeitsbeziehung oder um Freundschaften handelt, es geht um die Dynamiken, die in jeder Art von Beziehung entstehen.
Wie du echten Einfluss bekommst
Es gibt einen Unterschied zwischen „den anderen verändern wollen“ und „die eigene Dynamik verändern“. Oft haben wir Vorstellungen davon, was der andere ändern müsste oder sollte und richten unser gesamtes Denken und Handeln darauf aus, dass der andere sich ändert. Wir versuchen zu überzeugen, unsere Perspektive zu erklären, dem anderen klarzumachen, was sein Handeln für Auswirkungen auf uns oder im Allgemeinen hat und was wir von ihm erwarten. All das ist grundsätzlich in Ordnung und kann gegebenenfalls auch helfen. Doch wenn wir feststellen, dass es nichts verändert, hilft es nicht, immer wieder das gleiche zu tun. Denn so sind wir ständig beim Anderen und dort können wir nichts verändern.
Nur wenn wir konsequent bei uns bleiben, sind wir da, wo wir Einfluss nehmen können. Der einzige Mensch, den wir wirklich verändern können, sind wir selbst. Und ja, das kann anstrengend sein. Es erfordert viel Mut und Ehrlichkeit, bei sich selbst hinzuschauen. Denn dann müssen wir uns mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigen und das kann sehr schmerzhaft sein. Wenn wir getriggert sind, weil die andere Person etwas gesagt oder getan hat, was uns wütend oder traurig macht, ist es ganz natürlich, dass wir diesen Schmerz vermeiden wollen und das einfachste, was wir dagegen tun können, ist diese Energie auf die andere Person zu richten und sie dafür verantwortlich zu machen. Dann brauchen wir uns nicht damit auseinanderzusetzen. Jedenfalls für eine Weile… bis wir das nächste Mal getriggert werden. Und so lange wir nicht den Kern des Problems angeschaut haben, wird das auch immer und immer wieder vorkommen.
Daher ist es langfristig einfacher, wenn wir gleich den Blick auf uns selbst richten.
Wunder, die keine sind
Wenn in einem System eine Person ihr Verhalten ändert, ist der Rest des Systems gezwungen sich anzupassen. Das alte Muster kann gar nicht weiter wie bisher ablaufen.
Ein Beispiel: Ich habe mich früher furchtbar geärgert, dass mein Mann seine Socken immer zerknüllt in die Wäsche warf. Denn dann musste ich jeden einzelnen davon auseinanderziehen, so dass ich sie aufhängen und sie trocknen konnten. Ich fand das furchtbar rücksichtslos. Ich konnte sie aber auch nicht einfach nicht „entknüllen“, denn dann hätten sie angefangen zu müffeln, weil sie nicht trocknen konnten.
Irgendwann fiel mir dann auf, dass ich mir das Problem selbst machte. Denn erstens wären sie vielleicht sogar zusammengeknüllt getrocknet (eine Möglichkeit, die mein Gehirn bis dahin kategorisch ausschloss) und zweitens, falls nicht, wessen Problem wäre das gewesen? Das meines Mannes. Als mir das klar wurde, beschloss ich nie wieder Socken auseinanderzufummeln. Dadurch löste sich meine Wut in Luft auf. Ich bat ihn dann ganz ruhig und freundlich die Socken nicht mehr zusammengeknüllt in die Wäsche zu tun, wenn er möchte, dass ich sie weiter aufhänge und von da an war es nie wieder Thema. Zuvor hatte ich ihn immer wieder wutschnaubend darauf ansprechen müssen und war frustriert, weil er doch so rücksichtlos war.
Was kann ich konkret tun?
Einer der größten Hebel ist Klarheit. Klarheit über das, was wir fühlen, was wir wollen und brauchen, und wo unsere Grenzen sind. Das hilft uns Klarheit darüber zu finden, was wir selbst tun können.
Was erlebst du immer wieder? Ist es, dass du immer wieder einen Partner hast, der dich schikaniert? Oder stellst du immer wieder fest, dass Menschen dir gar nicht zuhören? Oder missachten andere deine Grenzen, selbst wenn du ihnen explizit sagst, wo sie sind? Was ist, es, das sich in deinem Leben immer wiederholt, egal wie sehr du versuchst, es zu ändern?
Wo im Körper spürst du das? Kannst du das Gefühl benennen? Bist du traurig, wütend, verwirrt, einsam,…? Welche Körperempfindungen hast du, wenn du an die Situation denkst?
Wenn das Gefühl sprechen könnte…
Frage das Gefühl, was es sich am meisten wünscht. Denke nicht darüber nach, was es sich wünschen könnte, sondern bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei dem Gefühl und frage es: Was wünschst du dir am meisten? Und dann sei offen für eine Antwort. Die Antwort wird von selbst kommen. Falls nicht, ist das (erst mal) die Antwort. Vielleicht weißt du noch nicht, was du willst, weil da verschiedene Gefühle sind und du einfach noch keine Übung hast, in dich hineinzuspüren. Oder es ist ein sensibles Thema und etwas in dir schützt eine emotionale Wunde davor, berührt zu werden. All das ist in Ordnung so. Je öfter wir uns aber fragen und uns zuhören, desto besser wird unser Gefühl für unsere Bedürfnisse und Wünsche.
Wenn du eine Antwort erhältst, dann bedanke dich dafür und erkenne sie an. Auch wenn dein Verstand darüber urteilt und die Antwort vielleicht dumm, unnütz, unangemessen oder unverständlich findet. Du kannst davon ausgehen, dass immer eine gute Absicht dahintersteckt. Es ist sehr wichtig immer wertschätzend und offen für jede Art von Antwort zu sein, denn wenn wir sie ablehnen, werden wir nicht erfahren, was dahintersteckt und so gehen uns wertvolle Informationen verloren. Offenheit und Neugier sind gute Begleiter, wenn wir uns selbst erforschen. Dankbarkeit und Wertschätzung sind immer die richtige Haltung, um unseren inneren Antworten zu begegnen.
Geduld zahlt sich aus
Vielleicht ist die Antwort aufschlussreich, vielleicht verstehst du sie nicht direkt. Du kannst einfach weiter fragen. Wenn du die Antwort nicht verstehst, frage weiter: Was bedeutet das? Warum ist das wichtig? Du kannst auch ein richtiges Gespräch mit dem Gefühl führen. Und so kannst du immer mehr darüber herausfinden, was dir wichtig ist, wo deine Grenzen sind und wo du bereit bist, dem anderen entgegenzukommen und wo nicht.
Wie du den Fokus halten kannst
Wenn es dir schwer fällt, dich zu fokussieren, schreibe die Frage und die Antwort auf. So hast du etwas, woran du dich festhalten kannst und wohin du zurückkehren kannst, wenn du doch abgedriftet bist.
Wenn du bemerkst, dass du versuchst, die Antwort durch Nachdenken zu finden, kehre wieder zum Gefühl zurück. Vertraue darauf, dass das Gefühl alles Nötige weiß und dir zum richtigen Zeitpunkt alles verraten wird.
In der Ruhe liegt die Kraft…
Wenn du Schwierigkeiten dabei hast, wertschätzend und ruhig zu bleiben, kannst du folgendes ausprobieren:
Erinnere dich an eine Situation in deinem Leben, wo du ganz du selbst warst und wo du so handeln konntest, wie du wolltest. Das kann aus einem völlig anderen Bereich sein. Vielleicht kannst du eine Sportart oder ein Instrument sehr gut. Oder du bist gut darin, Dinge zu erklären. Oder als du das letzte Mal den Sonnenuntergang beobachtet hast, hast du dich so richtig weit und lebendig gefühlt. Es kann wirklich alles sein, was dir ein gutes Gefühl bereitet.
Wo im Körper spürst du das? Im Oberkörper? Im Herzbereich? Im Bauch? In den Beinen? Welche Körperempfindung ist das? Ist es ausdehnend oder zusammenziehend? Ist es warm oder kalt? Prickelt es? Hat es eine Bewegung? Merke dir das Gefühl als Anker, um dorthin zurückzukehren, falls nötig.
Sollte es dir dennoch nicht gelingen, bitte jemand anderen um Hilfe, dem du vertraust. Zum Beispiel eine Freundin. Oder frage dich immer wieder zwischendurch: Bin ich noch liebevoll und offen zu mir selbst? Manchmal müssen wir uns nur immer wieder erneut daran erinnern. Es ist Übungssache und wenn wir nicht gewohnt sind, in uns hineinzuspüren, können wir oft die einzelnen Gefühle und Stimmen in uns nicht klar voneinander trennen. Je öfter wir es aber tun, desto besser werden wir darin. Und manchmal, wenn die Gefühle sehr intensiv sind und wir keine Übung damit haben, ist es hilfreich von außen zu erleben, wie das ist, wenn jemand bedingungslos die eigenen Gefühle akzeptiert. Dann können wir ein Gefühl dafür bekommen, wie wir uns das selbst geben können.
Wie wir Gefühle als Energie nutzen können
Ein weiterer Schlüssel ist, zu lernen die eigenen Gefühle zu verarbeiten. Auch das lernen wir leider nicht in unserer Gesellschaft. Die allermeisten Erwachsenen in unserer Gesellschaft sind emotional auf der Stufe eines Kleinkinds. Die einen nur etwas mehr als die anderen und ich will mich selbst auch gar nicht davon ausnehmen. Wir erwarten, dass der andere irgendetwas tut, um uns von diesem schrecklichen Gefühl zu befreien. Wenn die Person das aber nicht tut, führt der einzige Weg durch das Gefühl hindurch. (!) Auch hier gilt, je mehr wir lernen, unsere Gefühle nicht wegzuschieben, weil wir sie als unangenehm empfinden, desto leichter wird das Leben. Der Schlüssel dazu ist wieder Offenheit, Wertschätzung und Empathie. Es klingt vielleicht erst mal nicht greifbar. Aber wenn wir – egal wie wir uns fühlen – offen dafür sind, desto besser wird es über die Zeit.
Was kann ich tun?
Frage dich: Was kann ICH tun? Du möchtest, dass der andere dich in Ruhe ausreden lässt, ohne dir direkt Vorwürfe zu machen? Kannst du ihm das einfach so sagen? Hast du das schon oft gesagt und er/sie tut es trotzdem immer wieder? Wie kannst du Grenzen setzen, ohne dem anderen einen Vorwurf zu machen? So können wir Grenzen aus Respekt uns selbst gegenüber setzen, anstatt uns zu verteidigen. Wenn jemand deine Grenzen immer wieder verletzt, obwohl du sie klar benannt hast, was ist für dich die Konsequenz davon? Was kannst du für dich tun, wenn es wieder passiert? Das Gespräch (vorerst) beenden? Wie könntest du das tun? Ihm sagen, dass du die Argumente anhören wirst, wenn er in der Lage ist sie konstruktiv zu formulieren?
Wenn du bemerkst, dass du immer wieder beim anderen landest und doch möchtest, dass die andere Person etwas verändert, kannst du die Frage ergänzen:
- Was kann ich unter den gegebenen Umständen (dass der andere nicht tut, worum ich ihn bitte) tun?
- Was kann ich tun, damit die Situation für mich besser wird, ohne dass irgendjemand oder irgendetwas sich ändern muss?
Beispiele könnten sein:
- Empathisch mir selbst gegenüber sein, wenn es der andere nicht ist.
- Jemand anderen finden, der mir zuhört, wenn es mein Gegenüber nicht tut.
- Einen Weg finden mit meinem Frust umzugehen, wenn ich beim anderen damit nichts erreiche.
- Mir erst mal klar werden darüber was ich will, wenn der andere mich nicht versteht
- Sagen, was ich will, anstatt immer nachzugeben und zu tun was der andere möchte.
Es könnte alles so einfach sein…
Ich gehe ab und zu schwimmen und wenn eine bestimmte Anzahl von Leuten im Becken sind, muss man sich mit dem Platz arrangieren, so dass jeder seine Bahnen schwimmen kann. An der Stelle, wo die Treppe ins Wasser geht, ist die Bahn kürzer. Diese Bahn möchten manche Leute dann aber nicht benutzen, sondern sie wichen dann – anstatt einen Meter vor Ende des Schwimmbeckens einfach umzudrehen – auf die Bahn daneben aus.
Das war an einem Tag meine Bahn und eine Dame wich immer wieder dort, wo die Treppe war auf meine Bahn aus. Ich ärgerte mich darüber. Aber okay, solange ich trotzdem schwimmen kann, soll sie es so machen, dachte ich. Dann war sie aber einmal kurz vor mir selbst am Ende der Bahn und wich auf meine Bahn aus, so dass ich auf ihre – die kürzere Bahn – ausweichen „musste“. Ich schwamm wutschnaubend weiter.
Als ich später mit meinem Mann über die Situation reflektierte, fragte er mich, warum ich überhaupt auf die andere Bahn ausgewichen sei. Ich dachte, es wäre eine erwachsene Reaktion, ihr zu zeigen, dass man auch problemlos die kürzere Bahn benutzen könne.
Aber er hatte Recht… Ich hätte einfach auf meiner Bahn bleiben können. Es ist dann ihr Problem, wenn sie zurückschwimmt und mich plötzlich vor der Nase hat. Ich muss sie nicht erziehen, sie kann tun, was sie will. Aber ich kann auch auf meiner Bahn bleiben und muss ihr nicht ersparen, mir ausweichen zu müssen. Ich freue mich also auf das nächste Mal, wo sie mir an dieser Stelle im Schwimmbad begegnen wird.
Genauso hat sich über die Zeit die Beziehung zu meinem Mann umd 180 Grad gedreht. Dadurch, dass ich nicht mehr darauf hoffe, dass er sich verändert, sondern gelernt habe bei mir zu bleiben, hat sich alles verändert. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Fragen brechen Muster auf
Hier sind noch ein paar Fragen, die dir helfen können, genauer hinzusehen:
- Welche Arbeit kann mir der andere nicht abnehmen?
- Was ist es, was der andere mir geben soll?
- Wie kann ich mir selbst geben was der andere mir nicht gibt?
- Wie kann es noch gehen? Wie kann es trotzdem gehen?
- Welche Alternativen habe ich?
- Was wäre eine entscheidende Sache, die ich selbst ändern kann?
- Wenn ich die Einzige wäre, die etwas ändern könnte und nur eine Sache verändern dürfte, was wäre das?
- Wenn nur ich etwas verändern könnte, was wäre das einfachste, das ich tun könnte?
- Was würde ich tun, wenn ich ganz sicher wüsste, dass der andere nichts ändern wird?
- Was brauche ich dafür?
- Wer kann mir stattdessen helfen?
- Was tue ich, was ich eigentlich gar nicht will?
- Wo bewahre ich jemanden vor den Konsequenzen seines Handelns?
- Was kann ich tun bzw. nicht mehr tun? (Anstatt es nur zu sagen.)
- Wo stelle ich Forderungen anstatt Konsequenzen zu ziehen (z.B. statt: Hör auf, mich anzuschreien! → Ich rede weiter, wenn wir in normalem Ton sprechen).
- Wo setze ich eine Grenze nicht?
- Wie könnte mich der andere besser hören? Was brauche ich dafür?
- Wo zeige ich nicht mein wahres Gesicht?
- Wie kann ich authentisch sein?
Aber bitte liebevoll!
Wichtig ist bei all dem, dass wir das liebevoll tun. Wenn wir uns selbst dafür verurteilen oder sogar bestrafen, wenn wir uns nicht wie „Erwachsene“ verhalten oder keine Lösung finden, ist nichts gewonnen, im Gegenteil.
Wir alle haben in der Regel nicht gelernt, wie wir angemessen mit Konflikten und unseren eigenen Gefühlen umgehen – weder in der Familie noch in der Schule, noch sonst irgendwo. Weder du, noch dein Gegenüber. Insbesondere, wenn du diesen Artikel hier liest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du keine oder sehr wenige gute Vorbilder hattest. Und sie sind leider rar in unserer Gesellschaft.
Mach einfach irgendetwas
Falls du wirklich keine Idee hast, was du verändern könntest, ändere einfach irgendwas. Wie oben erklärt, bewirkt jede einzelne Änderung eine Änderung des Systems und es kann schon hilfreich sein, einfach das alte Muster zu durchbrechen – durch Versuch und Irrtum hast du eine gute Chance eine Möglichkeit für Veränderung zu finden.
Hast du eine Idee und es funktioniert sogar? Herzlichen Glückwunsch! Denn dann kannst du mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wenn du dich fragst: Wo in meinem Leben kann ich das noch umsetzen?, können wir diese Erkenntnis auch in andere Bereiche unseres Lebens übertragen, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben.
Lieber authentisch als ruhig.
Wenn du eine prima Idee hattest, aber sie scheitert an der Umsetzung, dann sei gnädig mit dir… Es mag offensichtlich sein, dass wir mehr erreichen, wenn wir ruhig und gelassen sind, wenn wir Konflikte ansprechen oder keine Vorwürfe machen, wenn wir Grenzen setzen. Wenn du dir also vorgenommen hattest, sachlich zu bleiben, aber es gelingt dir nicht, dann verurteile dich nicht dafür.
Es mag hilfreicher sein nach Authentizität zu streben, als nach emotionaler Reife. Wir sind alle nur Menschen und geben immer unser Bestes. Besser, ich zeige meinen Ärger, als ihn runterzuschlucken. Wenn du nicht ruhig bleiben kannst, wenn du etwas klären möchtest, dann ist das nicht weiter schlimm. Es besteht immer die Möglichkeit erneut das Gespräch mit jemandem zu suchen oder sich für etwas zu entschuldigen, was nicht so gemeint war.
Fazit: Du hast mehr Einfluss, als du denkst
Veränderung beginnt nicht mit dem anderen, sondern mit dir. Das ist keine Kapitulation, sondern die größte Macht, die du hast. Wer selbst anders handelt, verändert automatisch die Dynamik – und das kann der Anfang von etwas völlig Neuem sein.
Du kannst zwar niemanden direkt verändern, aber durch deine eigene Veränderung kann das System gar nicht anders, als sich mit dir zu verändern. Manchmal brauchen Veränderungen Zeit. Wenn du konsequent bei deiner neuen Haltung bleibst, auch wenn der andere zuerst dagegenhält, pass sich das System langfristig an. Manchmal wirst du auch feststellen, dass die Konsequenz für dich ist, das System zu verlassen. Auch das ist eine mögliche Option.
Wenn du Fragen dazu hast oder noch tiefer gehen möchtest, kannst du mich gerne kontaktieren. Ich helfe Menschen dabei ihre Einsamkeit zu überwinden und Beziehungen aufzubauen, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt sind.
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